Bauen für die Zukunft: Rückblick auf unsere Fachtagung 2025

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08. August 2025 von Kästli AG

Die vierte Kästli Fachtagung brachte in Rubigen rund 100 Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik zusammen. Einen Nachmittag lang drehte sich alles um die Frage: Wann ist Kreislaufwirtschaft im Bau nachhaltig – und wie gelingt der Wandel? Klar wurde: In der Branche wächst das Bewusstsein für diese Verantwortung. Immer mehr Unternehmen wie Kästli suchen aktiv nach Lösungen und wollen ihren Beitrag leisten.

Kreislaufwirtschaft bei Kästli – Vision und Strategie

Zum Auftakt der Kästli Fachtagung 2025 machten Vertreterinnen und Vertreter des Unternehmens klar: Kreislaufwirtschaft ist bei Kästli nicht nur ein Ziel, sondern ein fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. «Wir leben sie – und wir wissen, dass wir nie fertig sein werden», sagte Geschäftsführer Urs Marty und betonte damit die Haltung, mit der Kästli das Thema als lernende Organisation angeht.

Pascal Remund, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Kästli, ergänzte: «Wir müssen vorausschauend denken und handeln – im Interesse derjenigen, die nach uns kommen.» Dieses generationenübergreifende Denken prägt Kästli seit fünf Generationen, und Kreislaufwirtschaft ist heute fester Bestandteil der Strategie und des Arbeitsalltags.

In der Praxis zeigt sich, dass Kreislaufwirtschaft komplex ist. «Zirkularität ist mehr als Recycling», betonte Prof. Susanne Kytzia von der OST (Ostschweizer Fachhochschule). «Kreislaufwirtschaft ist ein Balanceakt zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen.» Es sei wichtig, dass alle Mitarbeitenden Kreislaufwirtschaft verstehen, damit sie im Alltag entsprechend handeln können. «Die vielen kleinen Entscheidungen auf den Baustellen können in der Summe einen grossen Unterschied machen.»

Marco Brogini von Valion Unternehmensberatung beleuchtete Kreislaufwirtschaft aus strategischer Sicht: «Visionen müssen mit messbaren Zielen verknüpft sein, sonst bleiben sie ohne Folgen.» Kreislaufwirtschaft im Bau sei ein Teamsport, der nur gelingen könne, wenn alle Player gemeinsam Verantwortung übernehmen. Seine Vision: eine Branchen-Charta mit verbindlichen Standards.

Damit setzte der Auftakt der Fachtagung ein starkes Signal: Kreislaufwirtschaft bedeutet für Kästli nicht nur Innovation in Technik und Verfahren, sondern vor allem Haltung, Verantwortung und Zusammenarbeit – innerhalb des Unternehmens wie auch in der gesamten Branche.

Radikaler Blick von aussen – die Textilindustrie

Einen radikalen Blick von aussen brachte Manuel Schweizer, CEO des Start-ups OceanSafe, ein. Sein Unternehmen entwickelt Textilien, die am Ende ihres Lebenszyklus vollständig in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden können.

Für Schweizer ist klar: «Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, wenn Produkte von Beginn an dafür entworfen sind. Reparierbarkeit, Wiederverwendung und Kreislaufdesign sind unverzichtbar.» Auch müsse Kreislaufwirtschaft in langen Zyklen gedacht werden. Schweizer brachte es pointiert auf den Punkt: «Wir dürfen nicht dümmer sein als die Natur.» Diese habe über Jahrmillionen funktionierende Kreisläufe hervorgebracht – ohne Abfall und ohne Verschwendung. Daran müsse sich auch die Wirtschaft orientieren. Auch dann, wenn es bedeutet, zu leiden: «Kreislaufwirtschaft ist nicht der einfache Weg, aber der richtige.»

Kreislaufwirtschaft im Bau – die Perspektive des BKS

Michael Widmer, Geschäftsführer des Vereins Baustoffkreislauf Schweiz (BKS), brachte an der Kästli Fachtagung die Perspektive der Branche ein. Sein Appell: Die Diskussion dürfe sich nicht länger nur auf den Klimawandel beschränken, sondern müsse den gesamten Lebenszyklus von Baustoffen in den Blick nehmen.

Widmer machte deutlich, dass Recycling allein nicht genüge. Entscheidend sei, Materialien im Wert zu erhalten und Kreisläufe so zu gestalten, dass die Qualität gesichert bleibt. Damit Kreislaufwirtschaft im Bau Wirkung entfalten könne, brauche es klare Rahmenbedingungen: verbindliche Qualitätsstandards, Vorgaben in der öffentlichen Beschaffung und die Rückendeckung des Bundes.

Zugleich forderte er mehr Initiative von der Branche selbst. Nur wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen – Bauunternehmen, Planende, Behörden und Bauherrschaften – könne der Wandel gelingen. Für Widmer ist Kreislaufwirtschaft kein Randthema, sondern die Voraussetzung, um den grössten Materialstrom der Schweiz in eine nachhaltige Zukunft zu führen.

Einblicke in den Baustoffkreislauf bei Kästli

In einer Reihe von Kurzinputs zeigten Fachleute von Kästli wie Kreislaufwirtschaft im Bau praktisch umgesetzt wird und welche Herausforderungen noch zu bewältigen sind.

Marcel Vetsch, Geschäftsbereichsleiter Rückbau + Aushub bei Kästli, eröffnete mit dem Blick auf Aushubmaterialien. Er machte deutlich, dass sauberes Aushubmaterial eine wertvolle Ressource darstellt. Die Mengen sind enorm – und gerade deshalb ist ihre Wiederverwendung zentral. Diese Materialien werden in Rubigen so aufbereitet, dass sie (erneut) im Bau eingesetzt werden können. Das entlastet Deponien und reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen. Gleichzeitig gilt: Noch nicht alles Material lässt sich hochwertig verwerten – hier bleibt Innovationsarbeit zu leisten.

Simone Bischofberger, Geschäftsführerin der BAZ Rubigen AG, erläuterte die Aufbereitungstechnologien für belastete Aushubmaterialien im Bodenannahmezentrum (BAZ) Rubigen und an externen Standorten. Aus belastetem Material sollen wieder kreislauffähige Produkte entstehen. Ein Austausch zu den Produktanforderungen mit den Werken ist dabei unabdingbar. Eine grosse Herausforderung sind neue Schadstoffe wie beispielsweise PFAS und fehlende Grenzwerte. Das Ziel muss auch hier sein, verwertbare Sand- und Kiesprodukte im Kreislauf zu halten. Schadstoffe im Feinanteil sollen getrennt und thermisch zerstört werden.   

Pascal Gerber, Geschäftsführer fbr und KBS, zeigte den Betonkreislauf auf. Beton ist einer der grössten Materialströme der Baubranche – und damit ein entscheidender Hebel. Heute werden bereits Recycling-Gesteinskörnungen aus Aushub, Kies und Betongranulat eingesetzt, um primäre Ressourcen zu schonen. Mit Projekten wie Home of Beach, bei dem über 2800m3 zirkulit beton® verbaut werden, wird sichtbar, dass zirkulärer Beton aus Sekundärrohstoffen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich konkurrenzfähig ist. Die Herausforderungen bleibt: Qualität sichern, die regionale Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen erhöhen und die Kosten weiter senken.

Bernhard Hirschi, Geschäftsführer a. i. der BERAG, sprach über den Asphaltkreislauf. Schon heute enthalten Beläge bis zu 70 % Recycling-Asphaltgranulat. Der RC-Anteil an der Jahresproduktion beträgt über 40 % Asphaltgranulat. Ab 2028 wird faktisch ein Deponieverbot für belasteten Belag gelten, was eine vollständige Wiederverwertung verlangt. Kästli arbeitet dafür am CTC-Projekt, das Asphalt nicht nur recycelt, sondern upcycelt – mit dem Ziel, Gesteinskörnungen von Primärqualität und ein RC-Bindemittel zu schaffen. Hirschi schloss mit einem Appell, künftig vermehrt auf Niedertemperatur-Asphalt zu setzen, der bei identischen Materialeigenschaften deutlich energiesparender produziert werden kann.

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